Geplantes Seniorenzentrum im ehemaligen Karstadt-Gebäude

Gewinnoptimierung für Investoren oder ein selbstbestimmtes, altersgerechtes Leben für Senioren?

 Eine Leipziger Investmentfirma plant, das ehemalige Karstadt-Gebäude zu einer Senioren-Wohnanlage umzubauen und nach dessen Fertigstellung an einen Betreiber zu vermieten.

 Die GfW – Gemeinsam für Wilhelmshaven kann sich wieder einmal des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht darum geht, den älteren Menschen einen würdevollen, selbstbestimmten und altersgerechten Lebensabend zu bescheren. Vielmehr scheint es vorrangig um Profitmaximierung zu gehen. Die Gesellschaft wird immer älter, die Nachfrage nach Pflegeplätzen steigt und bedingt durch die Niedrigzinspolitik ist die Privatisierung von Pflegeheimen ein gutes Geschäft. Der Verkauf der städtischen Alten- und Pflegeheime und damit der Wegfall der Einflussnahme auf den Betrieb zum Wohl der Bewohner und Pflegekräfte war ein großer Fehler seitens der Stadt.

 Hier braucht man z. B. nur die auf dem Gelände des ehemaligen CVJM-Heims in der oberen Marktstraße entstehende „Seniorenresidenz“ näher zu betrachten und das Pflegeheim im damaligen St.-Willehad-Hospital: 15 – 20 m² große Zimmer ohne Balkon, mit Blick auf benachbarte Häuserwände oder in den oft Wolken verhangenen Himmel.

 Nicht anders wird es im Fall des Karstadt-Gebäudes sein. Der Gedanke, das Gebäude wieder herzurichten und aufzuwerten ist lobenswert und ein Beitrag zur Aufwertung und Attraktivitätssteigerung der Innenstadt. Aber nicht für dieses Vorhaben. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz, d. h. die historische Fassade muss erhalten bleiben, sodass äußere bauliche Veränderungen, wie z. B. bodentiefe Fenster für die körperlich beeinträchtigten Bewohner, geschweige denn Balkone nicht in Frage kommen werden. Wie schön wäre stattdessen ein Blick ins Grüne und die Möglichkeit der Beobachtung der Natur mit ihren Pflanzen und Lebewesen.

 Wäre es nicht sinnvoller, in dieser bevorzugten innerstädtischen Lage seitens der Stadtplaner die Initiative zu ergreifen, um hier die Entwicklung des Einzelhandels, der Gastronomie und des Tourismus voranzubringen?

 Aus persönlichen Erfahrungen innerhalb der Familie sind die Bedürfnisse der alten Menschen bekannt, sowohl im pflegerischen als auch im räumlichen Bereich. Hier eröffnet sich ein großes Betätigungsfeld. Die Beteiligten in Politik und Verwaltung sowie im Pflegebereich müssen für die Bedürfnisse der älteren Generation sensibilisiert werden, um sich für deren Belange einzusetzen. Und das bedeutet nicht, ein Senioren- bzw. Pflegeheim nach dem anderen hochzuziehen, sondern auch für genügend engagiertes, ausgebildetes Personal mit gerechter Bezahlung zu sorgen.

 Am 12. September dieses Jahres dürfen die Bürger und Bürgerinnen Wilhelmshavens nicht nur einen neuen Rat wählen, sondern alle, die an diesem Tag oder früher 60 Jahre oder älter sind und seit mindestens 3 Monaten in Wilhelmshaven wohnen, haben die Chance Mitglieder des Seniorenbeirats zu wählen. Dessen Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Interessen der älteren Bewohner gewahrt werden und deren Belange auch gegenüber Rat und Verwaltung zu vertreten.

 Nicht vergessen: „Wir werden alle alt!“

 

Kommunalwahl - Wilhelmshaven 2021

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